Mittwoch, 26. August 2015

Der Reiz der Großstadt und ein bisschen Melancholie

Ich sitze im Bus und die dämmrige Landschaft zieht an mir vorbei. Nach zwei tollen Tagen in Santa Cruz bin ich auf dem Rückweg nach Comarapa. So richtig Freude kommt beim Gedanken an mein Einsiedlerdasein dort nicht auf. Fern von der bunten Großstadt, den anderen Freiwilligen, Chrissi und ihrer irgendwie liebenswerten Familie. Am Samstag nach der Ankunft sprudelten erstmal die angestauten Worte heraus, worunter Chrissi dann leiden musste. Bei ihr war jedoch auch einiges passiert, und so plapperten und lachten wir den halben Samstag durch: Über den Missbrauch von Chrissis Ärmeln als Rotzrolle, die Deutschlernversuche ihrer Gastfamilie und Klopapierengpässe. Chrissis Gastbruder schlappte mit uns durch ein riesiges amerikanisches Kommerzkolosseum, die "Mall". Das Einzige, das hier fehlte, waren die Menschen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass José Normalbolivianer für diese Spielereien Geld locker hat.Was Abi - so nennen wir Chrissis Gastbruder aufgrund seines etwas exotischen Vornamens- uns über seinen Onkel erzählte, ließ uns die Haare zu Berge stehen: Sein Onkel hat sechs Frauen mit entsprechenden Kindern - gleichzeitig! Gäbe es hier Kindergeld, der Mann hätte ausgesorgt... Abends düsten wir mit Sandra ins Zentrum bzw. erst fünfmal darum herum, bis wir die gewünschte Bar, das Duda, gefunden hatten. Ich musste grinsen, als Sandra beim Fragen nach dem Weg mehrmals laut "DUDA!" aus dem Autofenster brüllte. Stellt euch mal vor, euch würde jemand in Deutschland sowas entgegenbrüllen. :) Die Lokalität mutete echt fancy an: Tennisschläger an der Wand, ein von der Decke baumelndes Fahrrad und ein mit alten deutschen Strickzeitschriften tapeziertes Klo. Zunächst gesellten sich einer von Sandras vielen Cousins und ein äußerst bewegungsfreudiger Freund von ihr zu uns. Zu meiner großen Freude - und das lag nicht (nur) an den konsumierten Erfrischungsgetränken- liefen noch einige der anderen Freiwilligen auf. Im Laufe des Abends fuhren wir noch zu neunt Auto und sangen Karaoke. Die arme Chrissi musste am Sonntag in der Früh in ihrem Kinderheim antanzen und so vergammelten wir den restlichen Sonntag. Montag stand ein Treffen mit Toti, unserer Koordinatorin an, um die Lage zu analysieren (gemütlich im Cafe, versteht sich :) ).
Ja, und hier bin ich. Im mittlerweile dunklen Bus, nachdenkend über die letzten zwei Wochen. Über den fanatischen Bruder von Chrissis Gastvater, der uns mit aller Gewalt missionieren wollte ("Ihr müsst an das Jenseits denken! Himmel oder Hölle, das entscheidet sich jetzt!"). Über Gewohnheiten, die man annimmt (ungeschminkt rumlaufen) und welche, die man ablegt (vegan leben). Über die Erwartungen, die man sich gemacht hat, und die Realität. Wir werden hier keine Felsen verrücken. Vielleicht aber ein paar Kiesel mitnehmen.

Sonntag, 23. August 2015

Aller Anfang ist schwer

Ein weiterer Sonntag auf dem Energieniveau einer löchrigen Hängematte. Zeit für ein erstesRResumé nach einer Woche in Comarapa.
Klimatisch ist dieses Fleckchen eine Wohltat. Bis ich gestern in Santa Cruz ankam, waren meine Schweißdrüsen praktisch arbeitslos. Dafür schob meine Gänsehaut morgens und abends die ein oder andere Schicht.
Die ersten zwei Tage verbrachte ich im "Kinder" - hier eine geläufige Bezeichnung für die Vorschule. Vormittags und nachmittags kommen jeweils vier Gruppen fünfjähriger Energiebömbchen angeprescht und werden von jeweils einer Lehrerin betreut. Meist wird zuerst gebetet (die Kinder können das Vaterunser aus dem Schlaf) und gesungen bzw. Gegröhlt, dann gebastelt, Buchstaben gelernt und gespielt. Zwischendurch gibt es eine Mahlzeit und für fünf Minuten wird die Bande leise. In der Pause geht's raus auf den Spielplatz mit Rutsche, Schaukel und Karrussell. Am Ende mit ihren Kräften sind dir Zwuckel bis zum Ende nicht, aber darum kümmern sich dann die vor dem "Kinder" wartenden Eltern kümmern.  Meine Beteiligung beschränkte sich bislang darauf, den Kindern beim Malen und Kleben zu helfen. Ansonsten stehe ich mit wenig geistreichem Blicl in der Gegend rum oder tue so, als ob ich das Gebabbel der Kinder verstehen würde.  Tue ich nämlich nicht. Obschon einige Störenfriede darunter sind, empfinde ich die Kinder als neugierig und sehr lieb. Schon beim Eintreten in die Gartenanlage fällt auf, wieviel Liebe zum Detail hier dahinter steckt. Ich glaube, das liegt an der Fürsorge der Schwestern, die den Kindergarten leiten. Auf dem Weg nach Hause knurrt mir immer so der Magen, dass ich mir erstmal ein Brötchen kaufe. Die Mittagspausen und Abende verbringe ich meist allein, wodurch irgendwann Einsamkeit aufkommt.  So beschloss ich, das Wochenende in Santa Cruz zu verbringen. Die Christusstatue, der Markt voller Gemüse und die freundlichen Menschen machen Comarapa zwar wirklich liebenswert ; da ich aber nicht als schweigende Schwester enden möchte und eine Tasse Tee jetzt nicht sooo ein toller Gesprächspartner ist, fläzte ich mich am Samstag morgen um fünf in den Bus und ließ mich nach Sweat City karren. Bevor ihr jetzt trockene Augen vom vielen Lesen bekommt,  höre ich hier auf und melde mich bald wieder. Fortsetzung folgt!

Freitag, 21. August 2015

N bisschen was Visuelles für die Glotzböppel

Chrissi, ihre Gastgeschwister und ich -
gegen Langeweile einfach mal n Selfie machen :)


Comarapa 

Finalmente en Comarapa!

Edit: Post von Montag, 17.08.15 aufgrund mangelnden Internetzugangs in der Warteschleife gewesen
Keine Angst, hier hört es auch schon auf mit dem Spanisch J  Nach einer Woche Santa Cruz habe ich diese monströs-große, etwas dreckige, aber vielseitige Metropole hinter mir gelassen und mich auf den Weg nach Comarapa gemacht. Die Müdigkeit – die eventuell von der Party eine Nacht zuvor und den dort verfügbaren Getränken herrührte – ließ mich in den Sitz sinken, als hätte sich eine Kuh auf meinen Schoß gesetzt. Der Abschied von meiner „Schwester für eine Woche“, Chrissi, war schon komisch, was aber durch unser beider Schlafmützenschädel etwas gedämpft wurde. Nach vielen Kilometern Santa Cruz schloss sich eine Landschaft an, die man nur als wunderschön bezeichnen kann: Bewaldete Hügel, Täler in sattem Grün… An der Strecke lagen immer wieder kleine Siedlungen. Ich fragte mich, wovon diese Familien leben und wie sie an alles fürs Leben Notwenige kommen. Nach knapp sechs Stunden Fahrt kamen wir in Comarapa an. Musik, Schlaf und ein Buch hatten mir die vermisste Ruhe zurückgebracht. Abgesehen von Musik, war es erstaunlich leise gewesen im Bus. Von Comarapa sah ich wegen der Dunkelheit nicht allzu viel, jedoch fielen mir die asphaltierten, sauberen Straßen auf – im Gegensatz zum Kopfsteinpflaster in Santa Cruz. Statt schwüler Wärme in Tropic City Santa Cruz wehte hier ein frischer Wind (heute war es ein ausgewachsener Sturm). Ja, und dann lernte ich sie kennen: die Schwestern des Klosters. Richtig gehört, ich lebe hier mit Nonnen zusammen (ein wenig abfällig, der Begriff- erinnert an Wollunterhosen und Weihrauchdeo). Beim Essen empfand ich sie als sehr offen und freundlich und – ayyy, das Essen! Selbstgebackene Brötchen (!) mit selbstgemachter Papaya-Marmelade (!) und selbst eingelegten Äpfeln. Schade, dass ich wahrscheinlich kaum mit ihnen essen werde. Wenn mich mein Ohr nicht trügt, sind es katholische Dominikanerschwestern, die zu elft im Convento wohnen. So wie der Garten aussieht, kümmert sich jemand mit viel Liebe darum. Mein Zimmer liegt in einem Haus direkt gegenüber des Conventos, welches ebenso sauber ist und über Küche und Salon verfügt. Die Hausschwester ist für ihre misstrauischen Augen und ihren strengen Ordnungssinn bekannt. Das heißt für mich: Schluss mit Schlamperei und Schlurferei! Gegen zehn endlich im Zimmer, öffne ich die Tür, um den Klogang zu vollziehen – und lege mich vor Schreck fast rückwärts auf den Boden. Direkt vor der Tür, zehn Zentimeter von meinem Gesicht entfernt, steht Toti, unsere Koordinatorin, mit zum Klopfen erhobener Hand. Wir lachen uns schief!
Vorm Schlafen ein Schreck
Und ich dämmre weg.

Heute morgen ein geniaaaaler Fruchtsalat auf dem Markt für umgerechnet einen Euro. Wir besuchen die beiden Projekte, in denen ich arbeiten soll. Der Kindergarten, ebenfalls sehr ordentlich, ist gefüllt mit Zwergen unterschiedlichen Alters. Wir nehmen an einer Veranstaltung zum „Tag der Flagge“ teil. Außer sechs neuen Praktikantinnen werde ich als Aushilfe für ein Jahr vorgestellt. Die etwa  60 Kinder sollen meinen Namen rufen und mich willkommen heien. Ich implodiere fast vor Peinlichkeit. Danach schauen wir uns das Altenheim an. Die Bewohner sind in prekärerem Zustand, als ich das aus Deutschland gewohnt bin. Die Anlage ist jedoch sehr schön. Wie ich mich mit den hauptsächlich Quechua sprechenden Omis und Opis unterhalten soll, ist mir ein Rätsel. Toti, ihre Freundin Ona, eine ehemalige Freiwillige, und ich essen mit den Schwestern zu Mittag. Wieder sorgen Onas Dreads für Belustigung. Nach dem Essen machen wir ein Foto: Schleier und Rosenkranz tragende Nonnen zupfen an Onas wilden Dreads.Toti und Ona machen sich auf den Heimweg nach Gigantic City. Ich kaufe mit einer anderen Freiwilligen Sojamilch (nur Zucker J) und frage mich, wie ich, die unsichere, stinkfaule, unerfahrene Deutsche mit einem Haufen Spanisch plappernder Bambinis zurechtkommen soll.

Verbleibe mit Zweifeln.

Samstag, 15. August 2015

15 Menschen + Noch mehr Gepäck  klappriger Kleinbus
= top sicheres Transportmittel

Das Kinderheim der Fundación Niño Feliz
- hier fand unser Ankommensseminar statt


Freitag, 14. August 2015

Santa Cruz, die Erste - und Klappe!


Wer Santa Cruz für ein nettes kleines Städtchen in den Tropen hält, der irrt. Die Temperaturen lassen Zungen am staubigen Boden schleifen, gelegentlicher Regen macht das Ganze noch schön dampfig. Obwohl schachbrettartig aufgebaut, scheint diese Stadt ein Labyrinth zu sein: Auf den ersten Blick sieht jede Straße mit ihren Imbissen, Autowerkstätten und Straßenverkäufern gleich auszusehen. Betrachtet man die Werbeplakate, meint man, in einer etwas dreckigeren Version einer US-amerikanischen Großstadt zu sein.
Aber nun mal von vorne. In einem völlig überladenen Kleinbus schepperten wir vom Seminarort, einem wunderschönen Kinderheim etwas außerhalb, zum Busbahnhof von Santa Cruz. Wegen des Visums wohne ich derzeit für ein paar Tage bei der Gastfamilie von Chrissi, einer anderen deutschen Freiwilligen. Als eine junge Frau aus einem weißen Geländewagen springt und uns überschwänglich begrüßt, stutze ich erstmal: Diese perfekt proportionierte, jugendlich anmutende, Hotpants tragende, Dekolleté zeigende Grazie soll Chrissis Gastmutter sein? Wie sich auf der Fahrt herausstellt, ist Sandra 26 und Chrissis Gastschwester. Mit ihren Eltern und ihrem Bruder sowie einigen uns unbekannten Damen (Köchinnen? Gäste? Who knows? :D) wohnt sie in einem Häuschen etwas außerhalb des Zentrums. Auf der Fahrt dorthin werden wir fast erstickt von spanischen Worten. Mit Sandras unstillbarem Durst nach Kommunikation werden wir es die nächsten Tage noch öfter zu tun haben. Unser Zimmer ist frisch gestrichen – Geruch und Farbe an unseren Händen nach Öffnen der Tür lassen daran keinen Zweifel – und sauber. Mit Sandra und ihrem Cousin latschen wir durchs Zentrum. Von A nach B bringt einen hier die Micro, das sind Kleinbusse in unterschiedlichem Zustand (von schrottreif bis neu). Haltestellen gibt es keine, man streckt einfach die Pfote aus und schwups, kommt die Kiste mit quietschenden Reifen neben einem zum Stehen. Für ein bis zwei Bolivianos – abhängig von der Gutmütigkeit der Fahrer – kann man quer durch die Stadt cruisen. Mit über hundert Linien ist das Ganze leider nicht ganz so leicht zu nutzen. Weil wir fast aus den Latschen kippen, hauen wir uns schon gegen halb zehn ins Bett. Danke, lieber Jetlag.
Am Mittwoch stehen Behördenbesuche mit den Koordinatoren an. Toti, unsere Koordinatorin, und ihr Gehilfe Herman (ja, er heißt wirklich so :) ) regeln so gut wie alles für uns dumme Gringos.
Die Wartezeit verquasseln wir mit den anderen Freiwilligen und tauschen uns über unsere Gastfamilien aus. Kopfzerbrechen bereitet mir, dass ich immer noch kein Geld abheben kann. Ich sehe mich schon im Flieger zurück nach Deutschland – heimgeschickt wegen mangelnder Mittel. In einem vegetarischen Restaurant komme ich an frisches Gemüse (Salat!SALAT!) und im todschicken Telefonladen an WLAN Klimaanlage und Kaffee alias Zuckersirup. Vor lauter Freude kaufe ich einen Internetstick für knapp 40 Euro, den ich gar nicht brauche. Nach einem Bierchen mit den Koordinatoren finden wir irgendwie nach Hause.
Donnerstagvormittag besuchen wir Chrissis Projekt, ein Kinderheim für Pimpfe von null bis sechs Jahren. Die Anlage ist sehr hübsch und gepflegt, die Kinder süß. Die ehemalige Freiwillige berichtet von strengen Erzieherinnen, was mir ein bisschen Angst macht – auch in Hinsicht auf mein Projekt. Durch die Bemühungen meiner Mutter (DANKE J ) kann ich endlich Geld abheben. Der restliche Tag geht für Gammeln, Skypen, Futtern und Unterhaltungen mit der Familie drauf.
Wir halten fest: Hier werden öfter Straßenhunde angefahren, das Gemüse habe ich trotz aller Warnungen gut vertragen und der Kaffee ist vergleichsweise sauteuer L

Saludos!

Donnerstag, 13. August 2015

Ankommen- oder nicht...?

Edit: Eintrag von Montag, 10.08., da bisher kaum Internetzugriff möglich
Seit zwei Tagen befinde ich mich auf bolovianischem Territorium - und bin doch noch nicht da. In schlafwandlerischem Nebel schleiche ich umher, das Bewusstsein scheint dem Geschehen hinterherzutröpfeln. Muss an Jetlag und Klima liegen.
Ein paar Dinge lassen sich dennoch feststellen:
- Winter in Santa Cruz bedeutet Hitze, Luftfeuchtigkeit und Wind (mit teils stürmischen Ausmaßen).
- Vorsicht mit Mückenstichen! Kaum versieht man sich, trohnt bereits ein juckender roter Flatschen auf der Haut. Auf Dengue und Chukuiguya oder wie auch immer diese sagenumwobene Krankheit heißt, sei zu achten.
- Es sei zu empfehlen, ein bisschen Guthaben auf seinem mobilen Funkapparat zu haben. Ansonsten ist man ganz schnell daueroffline. Was auch nicht unbedingt schadet.
- Auch nicht schaden tun ein paar Bücher. Eins ist in jedem Fall zu wenig.
- Omnipräsente Müdigkeit lässt einen immer schlafen. Egal, ob Hunde, Hähne, Babies oder Radios plärren.
Ein bisschen Angst vor dem Projekt habe ich schon. Was, wenn es mich überfordert oder einfach so gar nicht mein Ding ist?
Das Ankommensseminar bot uns Infos, Schlaf, Reis und Gespräche mit den anderen Freiwilligen. Ab Dienstag (11.08.) Verteilen wir uns auf unsere Städte bzw.  Dörfer.
Nächster Schritt: Gastfamilien bzw. Unterkünfte kennenlernen!
Es bleibt Vieles unsicher. Auch, ob ich irgendwann mal aufwache aus meiner Lethargie.
Tropische Grüße!

Dienstag, 4. August 2015

Weder hin noch weg 
"Zu jeder bedeutenden Tat gehört eine gewisse Naivität, um nicht vor der Größe des Vorhabens zurückzuschrecken." 
Elsa Rentrop (1907-94), deutsche Lyrikerin
Da steht man, nach zwölf Jahren, mit ein paar Seiten laminierter Pappe in der Pfote. Zwölf Jahre, um die 12.000 Stunden - nicht wenige im Rückblick umsonst - verbrachte man damit, sich Bildung und Methoden zur Aneignung derer in die Omme zu kloppen. Schule strukturierte unsere Tage, zwang uns ins und wieder aus dem Bett, stellte uns beständig Aufgaben.
Und jetzt? Diese Frage hat jeder Abiturient in den letzten Wochen wohl öfter gestellt bekommen als
Wie sich herausstellte, war ich nicht die Einzige, die sich darüber erst kurz vor (oder eben nach) knapp Gedanken machte. Als ich mich Anfang Februar mal gemütlich im Internet nach "was Sozialem irgendwo in Südamerika" umsah, hatte ich die Bewerbungsfristen bei den meisten Organisationen schon um zwei bis fünf Monate verpasst. Glücklicherweise bekam ich durch ein späteres Auswahlseminar noch einen Platz im weltwärts-Programm des Bolivianischen Kinderhilfswerks.
Das BKHW ist ein kleiner Verein, der mit diversen Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und andere benachteiligte Gruppen in Bolivien zusammenarbeitet. Jedes Jahr werden vom BKHW etwa 50 Freiwillige entsandt, die sich ein Jahr lang in den verschiedenen Projekten engagieren.
Anfang Juli wurden wir Augustausreisenden auf einem zehntägigen Vorbereitungsseminar mit möglichen Problemen im Gastland konfrontiert. Meine Ängste wuchsen parallel zu meiner Vorfreude an. Wieder daheim, standen Impfungen, Vorbereitungen und -natürlich- Papierkram an.
Jetzt, ein paar Wochen später, sitze ich auf halbgepackten Koffern mit dem untrüglichen Gefühl, etwas unheimlich Wichtiges verdusselt zu haben. Abschiedsschmerz mischt sich mit Ungewissheit zu einer trüben Aufbruchssuppe.
Ich verbleibe mit angehaltenem Atem und spürbarer Anspannung!
Noch vier Tage!