Mittwoch, 30. September 2015

Was labersch du?!

Zu eurer Erheiterung hier ein paar Versprecher und Missverstaendnisse:

Chrissi:
- beim Kuchenbacken- fragt nach einer Waage, benutzt die Worte "Gewicht" und "messen" -> bekommt erst eine Hantel, dann eine Personenwaage
- will Popcorn kaufen. Richtig: Pipoka. Chrissis Version: Pipapoka

Caro:
- haelt "Remolacha" fuer Remoulade und fragt sich, ob man diese kochen kann...? Stellt sich als rote Beete heraus.
- boleta ist kein Fleischbollen, sondern ein Passagierschein fuer den Bus.
- Nagellack: Esmalte. Nicht dasselbe wie da Bier (Malta).
- Der ultimative Hit hier: "El Perdon" von Nicky Jam und Enrique Iglesias. Original: Sie verlaesst ihn "sin duda" (ohne Zoegern). Caros Ohrsalat: "sin verdura" (ohne Gemuese). Hat also sogar die Karotten mitgenommen.
- Chrissi und ich wollen Tee kaufen. Sagen wir auch so: Te. Werden nicht verstanden und fuer dumm erklaert. Naechster Schritt: Man bietet uns einen Beutel an. Juchee.
- In Santa Cruz in der Micro. Will zur Plaza des 24. Septembers. Sage ich dem Fahrer auch. Nur hat mein Hirn keine Lust, nach der spanischen Zahl zu suchen. So kommt die "Plaza vierundzwanzig de septiembre" dabei raus.
- Avocado (deutsch)= Palta. Abgado (spanisch) = Anwalt
- will in Santa Cruz Karotten kaufen. Bitte um Ware fuer einen Boli (bekommt man in Comarapa etwa ein halbes Kilo dafuer). Ich bekomme zwei. Stueck.

Man macht sich doch gern mal zum Affen.


Feschtle oder koi Feschtle?



Rosa Kissen? Nein, ein radelnder Zuckerwatteverkaeufer

Donnerstag, 24. September 2015. Vorsichtig tasten wir uns an die Santa Cruz’sche Plaza heran. Man weiß ja nie – wir rechnen mit umherzischenden Feuerwerkskörpern, wehenden Flaggen, marschierenden Marschkapellen, Konfetti und natürlich Menschenmassen. Heute ist schließlich der lang angekündigte, gigantomanoes zelebrierte Geburtstag von Santa Cruz. Als wir um die Ecke der Kathedrale biegen und uns auf die völlige Eskalation vorbereiten, schauen wir irritiert aus der Wäsche: Die Plaza ist so gut wie leer. Die übliche Cruceno-Touristen-Kombination strollt gelassen über den Platz – nichts mit Rambazamba. Das scheint vor allem merkwürdig, da halb Comarapa Kopf steht und den Tag mit Umzug und Kirmes feiert. Wir drei Mädels aus Comarapa haben uns für diesen Tag und das verlängerte Wochenende nach Tropic City begeben. Jetzt hocken wir da und suchen eine Bleibe für Wiebke, deren Übernachtungsgastgeberin kurzfristig abgesagt hatte. So schwitzen wir also vor uns hin, bis wir mal wieder eine Fotoanfrage bekommen. Leider nicht von Bolivias Next Topvoluntario, sondern bolivianischen Passanten. Nachdem uns ein deutschsprachiger Paraguayaner  bewusst macht, dass heute der letzte Tag sein könnte, an dem Gott uns dieses Leben gewährt, sind wir uns einer Sache bewusst: Wir fallen auf. Auch die Kinder in Majas Projekt fragen mich, warum meine Haare gelb seien und ob das bei allen Deutschen so sei.


Uebersieht man den Muell, kann man vom Strand traeumen...

Mit einem eiskalten Bier laesst sichs leben.
Oder man laesst sich gleich in die Bruehe schmeissen.




Am Freitagabend tut es -Surprise, surprise!- einen richtigen Duscher, und so ist für unseren Ausflug zum Fluss am Samstag optimales Wetter: Sonnig, aber ausnahmsweise mal nicht atemabschnürend und Schweißdrüsen-reizend heiss. Die „Cabanas“ (Hütten) stellen sich als eine im Wald gelegene Fressmeile heraus, die im kaum Wasser führenden Flussbecken mündet. Wir schlappen durch die Pfuetzen, lassen uns die Sonne auf den Pelz brennen und trinken literweise „Chicha“, ein Erfrischungsgetränk aus Mais (zuckersüß- wer hätte es gedacht? :D). Satt und sandig fahren wir im Sonnenuntergang zurück. Majas Projektcompaneros sind schon am Plakate-Basteln für die abendliche Intervention auf der Plaza. Diese ist nämlich der einzige Fleck, an dem Küssen verboten ist – kein Scherz! Dagegen wollen die bolvivianischen Freiwilligen revolutionaer rebellieren, und so stehen wir eine halbe Stunde später mit Lippenstift-Kussmündern vor der Kathedrale und küssen uns gegenseitig. Natürlich nur auf die Wange, wo denkt ihr denn hin?  ;) Dazu werden Parolen wie „Ein Kuss ist nicht anstößig!“ oder „Ein Kuss ist Liebe!“ gebrüllt. Das Ganze macht unheimlich Spaß und zieht auch ein paar Passanten an. Auch ich bekomme einen Schmatzer aufgedückt- von einem Clown.
Am Sonntag geht es leider schon wieder heim. Auf der Rückbank artet die sonst ruhige Fahrt für uns drei zu einem ziemlichen Rumpel-di-Pumpel aus. Meinem universellen Talent, Dinge kaputt zu machen, zu verlieren oder zu verschlampen, ist auf unerklaerliche Weise mein brandneues (das Arme sah nur eine Woche die bolivianische Sonne) Ebook zum Opfer gefallen, durch dessen zartes Displazy-Gesicht sich ein sauberer Riss zieht. So sitze ich unterhaltungstechnisch ziemlich auf dem Trockenen (Internetstick hat auch ins Gras gebissen). Ihr seid herzlich eingeladen, diese Leere an Zerstreuung mit euren Botschaften und Musiktips zu fuellen (an dieser Front siehts naemlich auch dunkelgrau aus).
P.S.: Danke an alle, die meiner Bitte nach Nachrichten nachgekommen sind! Ueber Nachschub freue ich mich wie ein Affe ueber Bananen. (Ueber Bananen freue ich mich natuerlich auch ;) )

Mittwoch, 23. September 2015

Hardware

Wenn ihr bis hierhin immer mal wieder reingelesen habt – vielen Dank! Aber jetzt geht es ans Eingemachte: die Fakten. Neulich fiel mir auf, dass ihr bisher noch kaum Hintergrundinformationen bekommen habt, und dieses Informationsloch möchte ich alsbald zubetonieren. Daher hier erstmal die wichtigsten Fragen und meine individuell zusammengeschusterten Antworten.

Was ist Bolivien? Kann man das essen?
Nein. Zum Glück nicht, sonst wäre es ja irgendwann weg.
- Bolivien ist das ehemals ärmste Land Südamerikas und grenzt an Peru, Chile, Argentinien, Paraguay und Brasilien.
- Seit dem Salpeterkrieg hat das Land seinen Meereszugang an Chile verloren. Die Trauer und Wut auf die Chilenen sitzt noch immer tief in der bolivianischen Seele. Es gibt sogar den „Tag des Meeres“, an dem Trauermärsche in schwarzer Montur stattfinden.
- Bolivien verfügt über große Erdgasvorkommen, die jedoch immer wieder von ausländischen Unternehmen ausgebeutet wurden.
-  Präsident ist der linksliberale Evo Morales, der sich vor allem für die Verstaatlichung von Unternehmen und die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt.
- Währung ist der Boliviano (Bs), der zum Euro etwa im Verhältnis 1:7,5 steht.
- Offizielle Hauptstadt ist Sucre, Regierungssitz La Paz.
- In Bolivien leben etwa 10 Millionen Menschen auf einer Fläche von ? Offizielle Landessprache ist Spanisch, es existieren aber einige weitere indigene Sprachen wie Quechua, Aymara und Guarani.

Warum Bolivien?
Seit meinem Chileaustausch 2011 bin ich fasziniert vom südamerikanischen Kontinent. Die Geographie, die Mentalität und die Sprache weckten in mir große Neugier. Da ich aber bekanntlich Dinge gern nach hinten rausschiebe, waren zum Zeitpunkt meiner Bewerbung für den weltwärts-Freiwilligendienst kaum noch Plätze in anderen Ländern Lateinamerikas frei. Als sich mit dem BKHW die Chance „Bolivien“ auftat, sagte ich ohne langes Zögern zu. Wirklich informiert über dieses Land habe ich mich erst danach.

Wie finanzierst du dich?
Das Besondere am weltwärts-Freiwilligendienst ist, dass dahinter ein entwicklungspolitischer Ansatz steht und er deswegen vom Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit bezuschusst wird. Den „Rest“ habe ich durch Abigeld und Jobben beigesteuert. Danke an meine Familie, die mir dies möglich machte!

Wieso nicht studieren oder arbeiten?
Weil ich das mein ganzes Leben noch machen kann.

Vermisst du Deutschland?
Menschen, Essen und einige meiner Möglichkeiten ein bisschen. Ansonsten seh ich diesen Fleck der Ordnung, Pünktlichkeit und Ernsthaftigkeit ja in einem Jahr wieder.


Gibts da Alkohol?
Nein. Der Bolivianer entspannt bei Apfelschorle und feiert mit Kakao.Quatsch, Singani (Schnaps) ist Nationalgetraenk und auch Bier bekommt man mit ein paar Moneten in derTasche.

Ueber weitere Fragen freue ich mich und beantworte sie mit groesster Entzueckung.
Bis denne Antenne! 
P.S.: Die wunderbaren Diphtonge(ae, oe,.ue) habe ich der bolivianischen Tastatur hier imInternetcafe zu verdanken. 

Sonntag, 20. September 2015

Immer wieder sonntags...



Ich werde euch jetzt etwas erzählen, was euer bisheriges Bild von Comarapa gründlich auf den Kopf stellen wird, da es in kompletten Kontrast zu dem steht, was ich in meinen vorherigen Blogs über diesen Fleck der Ruhe berichtet habe. In Comarapa kann der Bär steppen. Ich weiß, das klingt verrückt, und wer jetzt völlig verwirrt ist, darf auch gerne erstmal ein Gläschen auf den Schock trinken – aber seit Melli, Wiebke und Anton diesen Tempel der Verschlafenheit betreten haben, ist nichts mehr, wie es vorher war.
Erste Pause mit Blick auf Comarapa und Umland
Dinge, die sich verändert haben:
  1. Ich habe mich freiwillig in ein Gotteshaus begeben und der dort stattfindenden Messe beigewohnt. Glaubt es oder lasst es sein – es war schön. Vor allem der Jugendgottesdienst brachte eine viel gelassenere Botschaft rüber, als man das aus deutschen Weihrauchlokalitäten kennt. Der Sonntagsgottesdienst endete mir einer Prozession, bei der ein geschminktes Jesuskind auf einer mit rosa Tüll geschmückten Bahre durchs Dorf getragen wurde. Die halbe Gemeinde mitsamt Marschkapelle folgte und lauschte andächtig den Worten, die eine der Dominikaner-Schwestern an jeder Häuserecke an sie richtete.
  2. Halb angezogen zur Dusche zu schlappen ist leider nicht mehr möglich. Der unter dieser praktizierte Gesang auch nicht.
  3. Dieses Wochenende habe ich nicht in der Metropole der Mückenstiche verbracht. Dolli, die für das hiesige Jugendzentrum verantwortlich ist und Mellis Gastmama, wanderte mit uns zu einer Lagune. Obwohl es in der knalligen Sonne konstant bergauf ging – teilweise in gefühlten knapp 90°-Winkeln -, war es ein wunderschönes Erlebnis für uns alle. Dolli hatte Tortilla vorbereitet, die wir an dem grünen Tümpel genüsslich verspeisten. Als wir auf der Runterfahrt Coldplays „Viva la Vida“ hörten, nahm ich genau das wahr: Das Leben, das einen manchmal überrascht mit seiner Intensität und seinen unerwarteten Momenten des Glücks. Mit dem Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
  4. Die Zeiten, in denen ich mit keinem hier auf Deutsch palavern konnte, sind vorbei. „Wer Bewährtes in den Wind schlägt, muss sich nicht wundern, wenn er in einen Sturm gerät.“ Thom Renzie hat Recht: Mit neuen Erlebnissen kommen auch neue Herausforderungen hinzu. Ich muss mich etwas von meinem Einsiedlerdasein lösen.
    Beinah oben angekommen - uns hängen die Zungen

Von den Ereignissen in Deutschland bekommt man hier nicht allzu viel mit. Deshalb würde ich mich freuen, vom Einen oder Anderen von euch auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Seien es Flüchtlingskrise, persönliche Geschichten oder einfach ein paar Worte zum Wetter – über Nachrichten freue ich mich  wie Bolle! Schreibt mir – aus Freiburg, Reutlingen, Hechingen und dem Rest der Welt!


Freitag, 18. September 2015

Kleines, RTL-mäßiges Gewinnspiel

Was verbirgt sich bloß hinter diesem abenteuerlichen und kaum genießbaren grünen Schleim,  den Anton und ich aus Faulheit Ahnungslosigkeit produziert haben?
Welcher schlaue Fuchs das herausfindet oder einfach nur gut rät, bekommt im Laufe der nächsten Wochen eine Postkarte von mir.
Freue mich schon auf eure Vorschläge!  :)
Auf frohes Wühlen in euren grauen Zellchen!

P.S.: Damit ihr euch nicht zu Tode langweilt hier, stelle ich euch mal Majas Blog vor:
majasbolivienabenteuer.wordpress.comMaja wohnt und arbeitet in einem Jugendzentrum in Santa Cruz, wohin die Kinder auf freiwilliger Basis kommen, um Hausaufgaben zu machen, Theater zu spielen oder zu basteln. Sie kommt aus der Schweiz, aber aufgrund ihrer Geburtsstadt Ulm kann man ganz hervorragend mit ihr schwäbeln =)

Dienstag, 15. September 2015

Dies und das und noch anderes

Liebe Bravo,
heute ist eine Kuh ins Stadion gekommen und hat mich beim Laufen gesehen. Was mache ich jetzt? Ist das pädophil?
Carolin (20)

Die Bravo hat mir leider nicht geantwortet. Für die wirklichen Probleme haben die kein Ohr, das war mir schon längst klar.
Heute habe ich einige Neuigkeiten unterschiedlicher Importanz in petto.
Am Freitag erlebte ich auf der Fahrt in den Santa Cruzschen Dschungel etwas, was mein bisheriges Welt- bzw. Santa-Cruz-Bild nachhaltig erschütterte: Es regnete. Nicht nur das, es war kalt. KALT! Pullover-Schal-Russenmützen-kalt! Nachdem ich meinen halben Geburtstag im Bus verbracht hatte, war meine Laune fast am Erdkern angekommen, als ich gegen vier pitschnass bei Maja aufschlug. Die stellte mich aber flux wieder her, unter anderem durch drei Bleche selbstgebackener Kekse. Ihr Projekt, ein Jugendzentrum mit Radio und Computerraum, gefällt mir wirklich gut. Abends knatterten wir – eingebolivianert mit einer Stunde Verzug- zu Alina. Vor versammelter Freiwilligen-Mannschaft landete mein Gesicht kurzerhand in einer fetten, knatschsüßen Sahnetorte (danke noch mal dafür. Meine Haare haben vorne immer noch einen Rotstich). Trotz einer später folgenden, alkoholgeschwängerten Diskussion über den Wert eines Philosophie-Studiums hatten wir unsere Gaudi, wie Chrissi so schön sagen würde.





Los der Kirmes

Weitere brandneue Neuigkeit: Die Neuen sind neu eingetroffen! Deutsches Frischfleisch für die hiesigen Moskitos! Von mangelnder Integration kann keine Rede sein: Für das Fuß- und Volleyballturnier einer Kirmes in Paulines Projekt bildeten sie direkt eine deutsche Mannschaft und gingen abends feiern. Die Kirmes: typisch bolivianisch, Plastiktische, Partymusik a la Pitbull und durchweg fleischiges Essen, gut gelaunte und sehr gelassene Menschen sowie die Verlosung verschiedener Haushaltsprodukte. Highlight: Ein kleines Bierzapf-Fässchen. Wir gingen leider alle leer aus... 
Bevor wir uns auf den Rückweg in das rurale Paradies Comarapa machten, lieferten wir die zwei Mädels, die bald auch in Comarapa weilen, in ihrer Herberge, einem Maristen-Kloster, ab. Die Mönche luden uns zum Futtern ein und wir bekamen Lob für unsere Spanischkenntnisse. (Haha. Ich kann immer noch weder Artikel noch Konjugationen geschweige denn Zeiten). Wieder mal war ich nicht glücklich, die pulsierende Metropole mit den anderen Freiwilligen zurücklassen zu müssen.

Inzwischen hat der Regen uns wieder verlassen, ich bin wieder mal tagsüber am Schlafwandeln und pflege meine Beziehung zu Karotten. Alles also doch irgendwie beim Alten. 

Mittwoch, 9. September 2015

Nette Neuig- und Nichtigkeiten

Ode an ein Kaff

Grüne Wälder, Täler, Rinder
Rumwuselnde Kinder
Wolkenfreier Sternenhimmel
Gemüse (fast) ohne Schimmel
Vaterunser und Fürbitte
Christusstatue in der Mitte
Opis schlürfen Brei
Caro auf Standby.

Mit diesem literarischen Erguss leite ich eine weitere Folge von "Blond in Bolivien" ein, der erfolgreichen Soap über eine planlose Deutsche in der bolivianischen Pampa ein. Besonders viel ist in der letzten Woche nicht passiert. Dienstagabend fand das Kindergartenfest statt, für das die Kinder so lange geübt und die Lehrerinnen fast in die Verzweiflung getrieben hatten. Die Hälfte der hüpfenden Kiddies verpasste ich leider, weil ich irgendwie (Halbschlaf?) nichts von der Veranstaltung am Tag zuvor mitbekommen hatte. Die Choreografien klappten (überraschend) gut. Als die Piepenfitze in ihren extra bestellten, individualiserten Outfits Hoola-Hoop-Reifen schwangen, war ich irgendwie im Glück. Auch war interessant zu beobachten, wie brav die Frechdächse in Anwesenheit ihrer Eltern sind. Letzte Woche haute mir ein Vertreter der Rotznasen auch mal eins runter. War wohl nicht so geplant und sowieso, waren wir nicht alle mal jung und Anti-Autorität? :) 


Die Fahrt nach Santa Cruz am Freitag überlebte ich nur knapp, bevor meine übervolle Blase wie ein Glas in ihre Fragmente zerspringen konnte. Eine Pause in sechs Stunden will einkalkuliert sein. 
Am Samstag besuchten wir ein Abschiedskonzert einiger ehemaliger Freiwilliger. Die Mädels im Waisenheim verabschiedeten sich unter Tränen und mit Tanz, Gesang und Briefen von den drei Deutschen. Wir Frischlinge waren beeindruckt, was die "Alten" hier alles geschafft hatten. Sie waren Lehrer, Vorbilder und Freunde geworden. Für den Sonntag hatte Chrissis Gastschwester Sandra sämtliche Cousins - nur ein kleiner Teil des Nachwuchses des potenten Onkels- zu einem Grillfest anlässlich der Verabschiedung ihrer ehemaligen Gastschwester Wiebke eingeladen. "Saufgelage" trifft das Ganze wohl besser: Bei einem der Spezialisten hörte ich bei Cuba Libre Nummer 7 auf, zu zählen. Dementsprechend überschwänglich umgarnten sie Chrissi, die an diesem Abend noch eine Beziehungsanfrage der ernsteren Art bekam. Am Montag stand mal wieder ein Ausflug in die Einwanderungsbehörde an. Die Zeit bis zur Abfahrt nach Comarapa überbrückte ich mit einem Bummel über einen der riesigen Märkte des Irrgartens Santa Cruz mit Alina und Maja. Vergesst Kaufland, Ikea und co.: Hier bekommt ihr alles! Vom Besen in Regenbogenfarben über Gemüse bis zu Klopapier. Die Fläche, die der Markt einnimmt, schätze ich etwa auf die Größe von Comarapa. Aus Zwanzig-Liter-Putzeimern kann man alle möglichen Flüssigkeiten erwerben, die mehr oder weniger süß, aber meist ziemlich schmackhaft schmecken. Zum Stutzen bringt einen immer wieder das Preisverhältnis: Während man für eine 600ml-Flasche stilles Wasser mal locker einen Euro hinblättert, bekommt man einen Käse-Empanada schon für umgerechnet 20 Cent.
Die anderen Freiwilligen unternehmen derweil Camping-Ausflüge, nehmen an Volleyball-Turnieren teil oder nehmen Tanzstunden. Ich? Ich fahre mal wieder zur Abwechslung ein paar Stündchen Bus. Leider geil.
Was sich die Jugendlichen hier zu Gehöre führen: Reggaeton. Nicht wundern über anstößige und zweideutige Texte ;)

Mittwoch, 2. September 2015

Alles Reis oder was...?

Dinge, die man für acht Bolivianos (etwa ein Euro) kaufen kann:

- zwei Brötchen
- ein Kilo Karotten
- ein Kilo Tomaten
- eine mittelgroße Papaya

oder

- eine 2,5-Liter-Flasche Coca Cola

Dennoch sind jegliche Art knatschsüßer Erfrischungsgetränke hier fast so gefragt wie Billigbier nach 22 Uhr auf dem Freiburger Augustinerplatz. Ebenso gern wird ein Getränk aus Sesam geschlürft, und wenn wir gerade bei geschmackfreien Samen sind - der absolute Renner hier ist Chia. Ihm werden dutzende, dem Körper zuträgliche Eigenschaften zugeschrieben. Die tägliche Küche charakterisiert das Wort "Reis" ganz gut. Morgens mit Milch, mittags mit Gemüsestücken, abends mit Käse. Völlig legitim hier. Menschen mit ausgebeulten Backentaschen voller Kokablätter habe ich bisher relativ selten erblickt. Eigentlich reizt es mich, dieses magische Pflänzchen auf seine Kräfte auszutesten - vielleicht erwache ich dann endlich aus meinem Platter-Reifen-Dasein - aber alleine fühle ich mich damit doch ein bisschen wie ein Druffi. Die Freiwilligen aus Sucre praktizieren das nach eigenen Angaben öfters. Seit der Präsidentschaft von "Evo" geht es den Kokabauern wohl besser. Vorher hatten die USA immer wieder versucht, den Kokaverkauf zu verbieten. Durch Evo ist es jetzt auch in jeder Schule Pflicht, eine der indigenen Sprachen zu unterrichten. Da Quechua mit dem Spanischen ungefähr so viel Ähnlichkeit hat wie ein Traktor mit einer Gurke, erhoffe ich mir erst gar nicht, das hier zu lernen. Mal abgesehen davon, dass ich immer noch nur verständnislos nicke, wenn mir die Kinder etwas erzählen, und hoffe, dass es keine Frage war.
Alkohol darf hier nicht auf der Straße konsumiert werden, was uns letztes Wochenende ein paar Komplikationen machte .Keine Sorge, wir haben das Ganze dann kreativ gelöst (Details auf Nachfrage) :) An diesem Abend konnte ich mir ein Bild von der Liebe zu Burgern machen, die hier grassiert. Sandra und ihr Bruder - sonst immer sehr auf Qualität bedacht - nahmen uns mit zum Genuss dieser Mega-Stullen.
Wer mich kennt, kennt auch meine unabänderliche Abneigung gegen das Kochen. So besteht meine Ernährung größtenteils aus Haferflocken, Weißmehlbrötchen und tütenweise Obst und Gemüse vom Markt. Heute möchte ich euch eine schnelle und einfache Eigenkreation vorstellen:
Karotte mit Hut
Dazu gibt man einen Klecks Senf auf die Spitze einer Karotte, und fertig ist der Eins-A-Deluxe-Snack! Bevor ihr mich jetzt für komplett bekloppt haltet, halte ich jetzt die Klappe und entlasse euch zu gutem deutschen Essen. Hm, Brezeeeeeeeeln... :)

Dienstag, 1. September 2015

n paar Bildle

Schnappschuss aus der Buspause

Papaya! Wunderbar süß und weich :)
Richtig tourimäßig - aber das bin ich ja irgendwie auch...:)

Schon fast mein zweites Bett: der Bus nach Santa Cruz

They see me rollin'

Wenn eine Musikbox gegen das Radio anplärrt, eine Fußballmannschaft vor Hitze ihre Trikots auszieht, zwei fahrende Musikanten auf ihren Trompeten für ein paar Pesos tröten und Ginseng einem als Wundermittel gegen jedes Wehwehchen von erhöhtem Cholesterin bis zu Ohrenschmerzen angedreht wird – dann befindet man sich in einem bolivianischen Bus. Charakteristisch auch die obligatorische Viertelstunde Verspätung bei der Abfahrt. Immense Berge überwuchert mit Grün, Täler mit Bächen und verschlafene Dörflein lassen einen stundenlang aus dem Fenster stieren. Wegen des Visums bin ich wieder auf dem Weg in den Irrgarten Santa Cruz (Anmerkung im Nachhinein: auf der Suche nach dem Zentrum werde ich noch eine Stunde tourimäßig mit Schlafsack unter dem Arm herumirren). Beim Buchen habe ich die Frage nach dem Nachnamen mit der nach dem Ziel verwechselt, und so wäre heute fast Carolin Santa Cruz nach Lehmann gefahren.
Die drei Tage in Comarapa verliefen ruhig. Im Kindergarten bewegt sich mein Emotionsspektrum zwischen Ratlosigkeit angesichts der Frechdächse und Freude. Wenn dreißig Kinder um einen herumwuseln, wessen Herz geht da nicht auf wie ein frischer Hefeteig im Backofen? Sie weigerten sich vehement, mir zu glauben, dass Birnen in der Regel nicht rot sind. Na gut. Werden sie beim nächsten Einkauf ihr blaues Wunder erleben, wenn sie erkennen, dass die Kerne der Melone sich nicht in deren Schale befinden… Auf den altbekannten Trick, das Essen „aus Versehen“ auf den Boden zu kippen, weil es nicht ganz so mundet, versuchte ich, nicht allzu wütend zu reagieren. Auch, wenn der Nachtisch dann überraschend zackig und ohne Verschütten reinlief. Manchmal würde man ihnen echt die Schlitzohren lang ziehen –wären sie dann nicht wieder so süß wie der Vanillepudding, der ihnen von der Nase tropft. Mit meinen Sprachkenntnissen stoße ich immer noch an meine Grenzen. Die anderen Freiwilligen belegen jetzt Sprachkurse. Uns allen gemein ist, dass wir in unseren Projekten nicht allzu viel bewegen können. Pauline trommelt im Jugendzentrum, Richard gibt Cellounterricht, Jana tanzt – ansonsten beschäftigen wir uns mehr oder weniger nutzbringend. Bei den Tänzen zum Beispiel, die die Zwuckel für ein Fest einüben, komme ich selbst nicht ganz hinterher. Die Purzelbäume werden solange in der Wiese geübt, bis die Kinder aussehen wie mit Gras paniert.
Diese Woche habe ich zum ersten Mal von Hand gewaschen – weniger erfolgreich- und meinen Papiermüll verbrannt. Mit diesen spannenden Ereignissen (nicht.) beende ich meine Ausschweifungen. Tschüssikowski!
P.S.: Über Kommentare - auch kritischer Art - freue ich mich unheimlich! :)