Sonntag, 17. April 2016

Trips mit Turbulenzen (Teil 1)


Wir stecken im Dschungel fest. Wortwörtlich. Während der Busfahrer verzweifelte Versuche wagt, die Räder seines Gefährts aus dem Schlamm zu manövrieren, schaue ich aus dem Fenster und sehe ein paar verfallene Lehmhütten inmitten von Grün. Grasgrün, Palmengrün, saftiges Blattgrün- so gern ich meine Lieblingsfarbe in all ihren Abstufungen habe, wäre ich jetzt über ein bisschen braun-graue Zivilisation ganz erquickt.
Dass die Fahrt eine lange werden würde, hatte man uns kurz vor der Abfahrt mit der Aufforderung, den doppelten Preis zu blechen, mitgeteilt. Der Grund: Straßensperren auf der Strecke von Sucre nach Santa Cruz, die einen dreistündigen Umweg nötig machten. Nach La Palizada, von wo wir nach Comarapa durchstarten wollten, kamen wir gar nicht erst. Aha. Uns fielen die gesonnenbrandeten Bleichgesichter herunter. Wat?! Uns extra den normal schon 13-stündigen Weg nach Santa Cruz schieben, um von dort noch mal sechs Stunden nach Windenhausen zurückzugurken? Nach kurzer Ratlosigkeit erkannten wir die Alternativlosigkeit, stiegen ein und ich betete mal wieder Richtung blaues Gewölbe, dass mein Vesper reichen würde (wer mich kennt, weiß, dass von mir erworbenes Proviant nicht mal eine halbe Stunde unangetastet in meiner Obhut bleibt).
Nach einer Stunde Warten am Bussteig, weil einige Passagiere den Aufpreis nicht zahlen wollten, knatterten wir los. Die vorhergegangenen Tage war das Meiste glatt gelaufen: Wir hatten uns nie verfahren, fast immer die richtigen Micros bekommen und nie länger als vorher veranschlagt gebraucht. Na gut, abgesehen davon, dass wir gestern ungeplant noch eine Nacht länger in Sucre blieben, weil wir uns vier Stunden nach den obligatorischen Abfahrtszeiten zum Bus-Terminal bequemten…Der dadurch gewonnene Tag begann mit einer Internetsession (Isi’s Flug nach La Paz wollte sich partout nicht buchen lassen, der Schlingel); die übrige Zeit schlugen wir im Parque Bolivar in Sucre mit dem Besteigen eines leicht wackligen Miniaturexemplares des Eiffelturms , dem Berutschen eines gigantischen Dinosaurierrüssels und dem Verzehr von scharfen Würstchen sowie einem Kilo Trauben für die Vegetarier unter uns tot. Aus Ersparnisgründen hatten wir die Nacht im Wohnzimmer der weltwärts-WG verbracht, hatten es mal einigermaßen früh aus unseren Schlafsäcken geschafft und genossen die Sonne vor der Monster-Busfahrt. 
Ebenso entspannend auch der vorhergegangene Tag in Tarabuco, einem Dörfchen nahe Sucre, wo ein farben- und essensprächtiges Tanzfest stattfand. Formationen aus den verschiedenen Provinzen hüpften, stampften und sangen in traditionellen Trachten, die unter anderem fünf Zentimeter hohe Holz-Plateau-Schlappen mit angebrachten Rasseln beinhalteten. Das Ganze bewegte sich um eine fünfzehn Meter hohe Säule herum, die über und über behangen war mit – dreimal dürft ihr raten – richtig, Essen! Unten angefangen mit Obst und Gemüse, dann Getreide, Mayo und Ketchup und schließlich Coca Cola- und Alkoholflaschen. Geschmückt wurde dieses Denkmal des Genusses von Koka-Tütchen und einem netten, kompletten Kuhrücken.
Nahrung war auch in den Dorfgassen reichlich vorhanden, leider die der fettigen und tierischen Art (für mich nicht so kompatibel). Ein von uns befragter Probant ließ kein gutes Haar an seinem Hühnchen. An jeder Ecke wurden die obligatorischen Touri-Souvenirs (Pullover aus Lamawolle, Taschen und Tücher mit vermeintlich indigenen Mustern) verkauft, Schilf zu hübschen Blüten gefaltet und Bier an den Mann gebracht. Letzteres mundete uns deutlich besser, als es ein in Fett schwimmender Schweinewanst jemals könnte. Die tollen Tänze, die fröhliche Atmosphäre und nicht zuletzt der Hopfensaft machten gute Laune. 
Traditionelle Tanzgruppen praesentierten ihre Taenze

Der vorhergegangene Samstag hatte uns zum „Ojo del Inca“ (Inka-Auge) geführt, einer kreisrunden Lagune in den Bergen Potosís. Wir bereiteten uns auf eine Erfrischung vor- und glitten in eine pipiwarme Badewanne. Wie uns ein Experte erläuterte, brodelt unter dem Tümpel ein Vulkan, der das Wasser auf mollige 30 Grad erhitzt. Faul dümpelten Isi und ich in der Brühe herum, Schwimmen war zur Erwärmung ja nicht nötig J Dann mussten wir auch schon abzischen, um noch zu angemessener Zeit in Sucre anzukommen, wo wir auf dem Weg nach Comarapa noch mal vorbeischauen wollten. Als der Micro-Fahrer uns beim Busbahnhof rausließ, fanden wir uns vor einem Opernhaus wieder und mussten es erstmal betreten, um uns durch die Busbüros überzeugen zu lassen, dass dies wirklich unser Ziel ist. Hieran dürfen sich die Bauherren von Stuttgart 21 wirklich ein Beispiel nehmen. Da war Evo wohl in Spendierlaune.
Die Fahrt Potosí-Sucre war mal wieder ein Kampf mit meinem Widersacher, dem Harndrang.  Dieses unästhetische Wort verbildlicht die Intensität, mit dem dieser neueste Einfall meines Körpers mich piesackt. Für meine Frage nach einer Toilette im Bus werde ich meist nur ausgelacht.

Wie vor 2000 Jahren diese hochschwangere Dame in Bethlehem pilgerten wir durch die Straßen und suchten Herberge. Die fanden wir in einem süßen Gästehaus (was sogar auf Deutsch an der Tür stand) mit bewachsenem Hinterhof und einem Mehrbettzimmer ganz für uns allein. Wir schlürften (natürlich nur gaaaanz wenige) Schlückchen Chufly (Singani mit Sprite, wollte meine Schwester unbedingt probieren) und begannen die Mission Feiern. In der Shisha-Bar, die einer deutschen Kolonie gleicht, nahmen wir ein zweites Abendessen in Form von Erdbeer-Cocktails zu uns, trafen meine Mitfreiwillige Matthia und traten in dem recht engen Lokal zu Psytrance von einem Fuß auf den anderen. Matthia wies uns auf freien Eintritt plus Getränk in einem Tanzschuppen hin, und so landeten wir auf einer Ü-30-Party mit Playback-Band. Der Sänger „sang“ sogar so mühelos, dass er nicht mal seine Lippen bewegen musste. Magisch, oder? 
Fortsetzung bei Teil 2

Ganz schoen gesalzen (Teil 2)


Irgendwann wurde das Durchschnittsalter der Club-Besucher zu hoch und unsere Augenlider schwer. Tja, die Feierei will gelernt und geübt werden. Aus Mangel an entsprechenden Lokalitäten an den Tagen davor war nicht viel mit Trunk und Tanz gewesen. Achtung, Hier baue ich unauffällig eine Überleitung der eher auffälligen Art zu unserem Trip um Uyuni ein. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis in Uyunis Salzwüste eine Diskothek aufmacht, wenn man die Ströme an Touristen betrachtet. 


Durch besagte Wüste bretterten wir am ersten Tag unserer dreitätigen Jeepfahrt durch die schönsten Landschaften des bolivianischen Westens. Los ging’s in Uyuni, dem Touristennest schechthin, wo man ganz europäisch Ravioli (!) mampfen und nebenbei Dubstep (!!) hören kann. In der Reiseagentur, die den Trip organisierte, lernten wir unsere Mitfahrer, ein holländisches und ein brasilianisches Pärchen kennen und einigten uns auf Englisch als Kommunikationsmittel. Was dem bolivianischen Fahrer und wohl etwa so leicht oder eher schwer fiel wie mir, die jegliches angelsächsisches Vokabular aus ihrer Birne verbannt hat, um Platz für Spanisch zu schaffen. An der ersten Station der Fahrt machten wir schnell die ersten Deutschen aus: „Mach mal hier ein Foto von mir. Nicht so, Klaus!“ und Deuter-Rucksäcke ließen keinen Zweifel zu. 
Von graubraunem Erdboden rollten wir wenig später in ein weißes Glitzermeer ein: Der Salar de Uyuni, ein ausgetrocknetes Meer und die größte Salzwüste der Welt. Wie Schneekristalle mutete das feuchte Salz an. Die schier endlose Sicht wurde nur unterbrochen von ein paar Hügeln am meilenweit entfernten Horizont. Das kräftige Blau des Himmels im Kontrast zum waschpulverweißen Boden, die Stille und, ja, das Ausfallen des mobilen Internets vermittelten den Eindruck, auf einem anderen Planeten zu sein. Kam ein Jeep nach dem anderen angefahren und spuckte seine fotohungrige Fracht aus, bröckelte dieser Eindruck aber leicht.


Unser eher schweigsamer Fahrer Rodrigo entpuppte sich als Profi in Sachen Fotoideen und optische Täuschungen. Musikalisch bot er uns in den drei Tagen ein breites Spektrum von Coldplay über Rock, Metal und 90er-Stampf bis zu Rihanna. 
ja, es gibt im Salar auch Dinosaurier :)






Die letzte Station der ersten Tagesetappe bildete die Kakteeninsel, ein mitten in der Ebene aufragender Erdbrocken, übersät mit saitenwurstförmigen Kakteen. Nach einem Bierchen mit Lama, welches einen Beutel mit der Aufschrift „Money“ trug (der Kapitalismus hat auch das letzte Fleckchen Natur erobert), betraten wir unsere Ruhestätte für die Nacht. Das Salz verfolgte uns: Wände und Boden unserer Gemächer bestanden aus dem Gewürz. Machte meine barfüßigen nächtlichen Klogänge etwas schmerzhaft. 






Am nächsten Morgen stapften wir durch eine Steinwüste, bewunderten blaue, rote und –quasi- grüne Lagunen (bei letzterer spielte das Wetter nicht mit, sie erfreute mit einem zarten Schlammbraun) und aßen neben staksenden Flamingos zu Mittag. Mitten in der Natur ohne Zugang zu frischen Lebensmitteln ist es plötzlich auch in Bolivien möglich, lecker vegetarisch zu essen.

Die folgende Nacht sollte nicht nur recht dunkel- kein Strom mehr nach neun Uhr-, sondern auch ziemlich kurz werden: Halb fünf klingelten die Wecker in unserem Sechs-Betten-Schlafsaal. Nach einer amüsanten Runde Uno mit einer Gruppe Israelis, bei der unsere Brasilianerin Stuttgart glatt mit Hogwarts verwechselte, legten wir uns schon halb zehn ins Bett und waren dennoch am nächsten Morgen (oder sollte ich Nacht sagen?) nur halb lebendig, von guter Laune wollen wir gar nicht anfangen. Inmitten blubbernden, pupsenden Schwefels fror ich mir kurz vorm Sonnenaufgang fast meine Extremitäten ab. 

 












Rettung kam- nicht in Form eines gehaargelten Doktors a la Grey’s Anatomy, sondern als großer Kochtopf. Mit Scharen anderer Touris aalten wir uns in heißen Quellen und fühlten uns wie ummantelt von Wonne. Auf dem Weg zur chilenischen Grenze, wo wir zwei Drittel der Reisegruppe ablieferten, trafen wir Wüstenfüchse und -karnickel. Selten war ich so erstaunt vom Anblick von – Gras. Wir aßen in einem Dorf mit Bächlein mitten in der Wüste zu Mittag, bevor wir nach ein paar Stunden Fahrt wieder nach Uyuni zurückkehrten. Zivilisation! Toiletten! Frisches Obst! Wenn auch unser Fahrer nicht mehr als genau das war, war es ein einmaliges Erlebnis gewesen- so viele verschiedene Landschaften, surreale Wüsten, bunte Lagunen und nicht zuletzt deliziöse Verpflegung. 

Vikunas - nicht zu verwechseln mit Alpakas

Potosi- eine kalte Schoenheit (Teil 3)


Habe ich mal erwähnt, dass ich den deutschen Winter mit seinem Schnee vermisse? Es ist immer einfach, über Kälte zu reden – wenn sie einem dann live unter die Klamotten kriecht, findet man das nicht mehr ganz so cool. Bolivien kann nicht nur Dschungel und Hitze, sondern erfreut sich der höchstgelegenen Stadt der Welt. Als wir am zweiten Tag unserer Reise in Potosí ankamen, spürte ich schon, wie meine Nase langsam rot wurde – von der Kälte und der Sonne. Na ja, auch in Comarapa laufe ich dank meiner nicht vorhandenen Sonnenschutzmaßnahmen rum wie Rudolph, das rotnasige Rentier. Nachdem wir ein gemütliches Hostel gefunden hatten, latschten wir durchs Zentrum und verköstigten uns an den unzähligen, süßen und unwiderstehlichen Gebäcken, die an jeder Straßenecke vertickt werden. Da ich sowieso mit Diabetes nach Vollkornbrot-Deutschland zurückkehren werde, machten ein paar Kekse mehr oder weniger auch keinen Unterschied mehr, oder? Um die Völlerei zu komplettieren und weil Isi unbedingt Lama probieren wollte (dieses süße Fellvieh! :(), gönnten wir uns ein Restaurant und spülten das Abendmahl mit dem Potosi’schen Bier runter. Weitere nächtliche Aktivitäten hielten wir für gesundheitsschädlich, wenn wir nicht mit Schüttelfrost enden wollten. Am nächsten Morgen ging es los zur für Touris obligatorischen Tour in die Minen Potosís. Hier wurden früher große Mengen Silber abgebaut, heute gibt es nur noch Zink und Blei. Wir bekamen fetzige
graue Anzüge, Gummistiefel und Helme verpasst und schlichen durch die höhlenartigen Gänge des „cerro rico“ (reicher Berg). An manchen Stellen war es recht kühl, an anderen angenehm warm. Wir stiegen sicher nicht fallsichere Leitern hinab, um den Minenarbeitern (cumpas) bei der harten Arbeit zuzusehen. Unser Führer stellte ihnen Fragen und ermunterte uns, die mitgebrachten Geschenke zu überreichen. Hierbei handelte es sich weniger um Schokolade und Blumen als um Softdrinks und Coca. Hiermit halten sich die Männer die vielen Stunden unter Tage wach und leistungsfähig. Durch die Dynamit-Sprengungen, herabfallendes Gestein oder übersehene Löcher im Boden sterben jährlich um die zwanzig Arbeiter. Der Lohn ist abhängig von den Rohstoffpreisen des Weltmarkts. 
Um reichlichen Ertrag wird der tío (Onkel) in Form einer Steinfigur gebeten und mit Coca, Alkohol und Zigaretten versöhnlich gestimmt. Der Gute sitzt in einer Ecke der Mine, die ich vor lauter Gänge nicht mal finden würde. Hin und wieder mussten wir einem Transportwagen voller Gestein ausweichen, der von zwei Männern (oder dem Alter nach eher Jungs) nach draußen geschoben wird. Isi und ich brachten dieses Schwergewicht keinen Zentimeter weit. Nach zwei Stunden in der Mine waren wir doch sehr froh über Tageslicht.



Den Nachmittag verbrachten wir mit Schlenderei und Schlemmerei durch die bunten Häuser und vielen Kirchen der Innenstadt. Isi kam leider an keinem Souvenirshop vorbei, ohne immer die selben Lama-Strickpullis zu begutachten. Wir bekamen zum Glück flott einen Bus nach Uyuni.

Alles easy (Teil 4)

Die Recoleta im Nieselregen
Ist es nicht immer so, dass man reisen geht, voller Vorfreude was einen erwartet – und dann buchstäblich im Regen steht? So ging es Isi und mir am ersten Tag unserer Reise. Nach einer durchpennten Fahrt von Comarapa kamen wir im Morgengrauen des 13. Märzes in einem bewölkten, benieselten Sucre an und setzten uns erstmal in das einzige zu dieser unmenschlichen Zeit geöffnete Cafe. 

Als die Stadt langsam aufwachte, beschlossen wir, wir könnten jetzt die WG meines Mitfreiwilligen Lorenz stürmen und 

die Leute aus ihren Betten schmeißen. Nein Spaß, eigentlich wollten wir nur unsere monströsen Rucksäcke abstellen. Bis wir uns allerdings durch den Markt gequetscht und bis zum Viertel der WG vorgedrungen waren, war es schon zwölf und Lorenz begrüßte uns zumindest halb wach.
 Er empfahl uns als Ausflugsziel ein Dorf in der Nähe mit einem tollen Markt und so saßen wir wenig später im Truffi nach- Überraschung- Tarabuco. Ja, in diesem netten Nest schauten wir zwei Mal vorbei. Der außergewöhnliche Markt entpuppte sich als stinknormale Kleidung-Krimskrams-Kommerz-Meile. Wir stiefelten auf ein Hügelchen und diskutierten, ob bolivianische Menschen freundlicher und offener sind als deutsche. Meine Schwester, die ein paar Mal übers Ohr gehauen wurde und mit ihrem Spanisch noch in der Entwicklung war (ist schon viel besser geworden, Isi, alles gut :) ) beschwerte sich außerdem über die Machos hier, die ihr sogar als verschwitzte Läuferin hinterherpfiffen. Bei der Rückfahrt zeigte sich mal wieder der Gruppengeist des Menschen: Die wenigen Truffis, die auf die Plaza auffuhren, wurden sofort bestürmt wie Wühltische beim Sommerschlussverkauf, sodass wir erst in den fünften Minibus quetschen konnten. 

Nach diesem anstrengenden (Ironie an) Tag genehmigten wir uns geniale Tukumanas (frittierte Teigtaschen) in einem vegetarischen Restaurant voller Gringos. Wieder mal stellte ich am nächsten Morgen fest, wie gut es sich mit genügend Müdigkeit auf einem halben Meter breiten Sofa nächtigen lässt. Weiter ging es nach Potosí, aber diese Episode habe ich ja schon (vielleicht zu ausführlich :) ) geschildert.
Was meine Schwester überhaupt hierher verschlägt? Außer der Tatsache, dass sie ihre kleine Schwester abgöttisch liebt, ihre Reiselust und ihre elends langen Semesterferien. Spontan hatte sie im Januar einen Flug gebucht und stand an einem Donnerstagnachmittag, erschöpft nach der vielen Busfahrerei, mit ihrem Riesenrucksack plus Ukulele in Comarapa. Wir hatten uns ein dreiviertel Jahr nicht gesehen, entsprechend groß war die Freude, und wir konnten den ganzen Abend nicht aufhören, zu quasseln. Am nächsten Tag begleitete sie mich nachmittags in den Kindergarten und freundete sich mit einem Mädchen an, das sie aufgrund seiner kurzen Haare die ganze Zeit für einen Jungen hielt. Auch die anderen Kinder waren begeistert von „senorita Isabel“ und tanzten im Kreis um sie herum. Sie wiederum war nicht wirklich begeistert von unserer etwas ranzigen Karaoke und der dröhnenden Musik. Als techno-gewöhnte Berlinerin ist das vielleicht auch nicht so verwunderlich….Den Samstag verpennten wir zur Hälfte, rafften unsere sieben Sachen zusammen und starteten abends – immer noch in Laberlaune- Richtung Sucre. Der Rest ist Geschichte.

Nach knapp zwei Wochen zusammen, vielen schönen Erlebnissen und gemeinsamem Lachen fiel vor allem mir der Abschied von ihr unglaublich schwer. Die Leute an der Bushaltestelle in Santa Cruz müssen sich gefragt haben, ob die Gringa irre ist, so habe ich geheult. Dies sollte aber nicht unser letzter Moment zusammen sein – Fortsetzung folgt…